Wunderblock

von Willi van Hengel

1 Anmerkung

Aus einer umhüllenden Kurve.

 

Aus einer umhüllenden Kurve

 

… also seiendhalben, wollt ich vorhin sagen. Mein Nietzsche nimmt mir keiner. Schon gar nicht die hochsokratisierten Professores mit ihren biedersamen Artikelchen. Damals hab ich geglaubt, sie seien mir voraus. Weil sie denken können. Nein, sie konnten sich viel besser in ein Reagenzglas quetschen und in den Arsch des Meisters kriechen. Beim Ausschlüpfen wurde ihr Denken unheimlich gross und braun. Ich treib mir immer nach.

Es ist so schöhn, beim Verfassen ohne Boden dein Bild anzuschaun celebrate um aus dem Pinsel zu lächtern …

Ah, du Dreckssau. Jetzt erst begreif ich, wie du den Spiess umdrehst. In mir rödelt sich das Leben. Aber du. Hinterhaltverbote ragen aus dir heraus. Zwiegespalten. Warum sollten wir uns nicht in der Nacht wärmen. Versteh ich doch erst nun, so aufgewacht wie wärs einnTeil vom Unendlichen (eher nicht), dass du beschützt allein sein willst.

Ich mach jetzt auf Treppen    weil dieses Titten brüstige Aufschneiden an mir vorbeigeht: Die grösste Verhinderung, dass mir jemals jemand innen Arsch gekrochen ist. Wie wär mir die Sprache verblieben. Aus Prag oder so. Die für mich letzte Lebenseinseifung, hätt ja -erinnerung sagen können, wolt ich aba nich, ums an den Menschen vorbei Kommen, nur darum geht’s nur darum ich mach mir alles ohne Menschen du triefst auf dich selbst zu. Las mich anpunkten. Mach mir ein Verzärteln aus echter Haut. Wo wieso nicht will ich fette Plastiktitten lutschen. Am Verfeinern hätt ich mich ganz anders gesehn.

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Unpinie.

Unpinie

 

Manchmal erscheint mir dein Gesicht wie Gartenerde. Ein kosmisches Aufspringen: auf die Hellseherin zum Beispiel. Stell dir ihre Höhle vor. Oder frierst du beim Einfliessen ins danach Abwerfen. Schlingenunruh. Heiss versenkter Piniengeruch. Oder warn’s Lilien. Du kamst dir immer wieder verfehlt vor. Und nun haust du deiner Elfe, Bahnhofsschwalbe, Alleserfriererin, die dich nicht nur zum grauen Haar erweckt hat, 

 

Zusammenhänge stellen sich immer erst im Nachhinein aus dem Kopf heraus in einem Selbstgespräch auf schleichenden Barfüssen wie um die Ecke blinzelnd, als hättest du, obwohl etwas erschrocken, doch schon längst damit gerechnet, also wie zurechtgeknüpft, was zwar beruhigt, aber irgendwie nichts mit dir zu thun hat, weil du ja eigentlich nicht über das um die Ecke blinzelnde Gesicht erschrocken bist, sondern darüber, dass dein Denken dich rettet, obwohl es doch, wie dein bester Freund immer sagte, beunruhigen und alles aufs Spiel setzen und irgendwie an den Rand gehen sollte, aber nun ist er nicht mehr dein bester Freund und du verstehst seinen Satz besser denn je, zum ersten Mal hast du gespürt, dass Fühlen und Denken eins sind, warum weißt du auch nicht, aber ein wenig Sehnsucht war schon dabei, weil du ihn jetzt gerne noch mal wiedersehen würdest, um ihm das zu sagen, was vielleicht aber nicht mal nötig ist, denkst du, weil er das von alleine spürt, nur weil man sich nicht sieht, heisst ja nicht, dass man sich nicht nahe ist, du wolltest ihm halt nie beim Enthäuten zuschaun und so bist du ihm aus dem Empfinden geraten wie in dieses Verflochtenseyn, wenn man loslässt und seinen Atem findet und sich auch schon mal beim Veratmen erwischt und nicht gleich erschrickt, also spürt, dass man völlig neues Lebensland betreten hat und an gewissen undurchsichtigen durchnässten Stellen beim Ausrutschen aufgefangen wird, von einer älteren Dame mit einer eingepackten Sonnenblume im Arm oder von dem zarten Augenaufschlag eines Halbsatzes, der aus deinem Gedächtnis rinnt und auf deiner Zunge ja doch so was wie Pfirsich hinterlässt: in diesem Augenblick hättest du auch das Wort Glück oder Verachtung als Geschmack empfunden, was ja nicht abträglich ist, im Gegenteil, es erregt nurmehr den schönen Verdanken, dass du dich immer weniger überwinden willst, um ein Anderer zu sein, man muss mit seinen Dingen nicht in die Köpfe der Leute kommen, sagte er immer, dein einst bester Freund, sondern unters Getue, ihnen zeigen, dass die Erkenntnishülle sie nur erstickt … und dann hörte er auf zu reden, als sei er selbst erstickt, an seinen Verausgaben, dachtest du eine kurzen Moment, doch dann sahst du wieder seine Augen und die leuchteten wie immer, er hatte halt keine Lust mehr zu reden, dass es der letzte Satz gewesen sein sollte, den er mit dir wechseln wollte, wär’ dir nie in den Sinn gekommen, so plötzlich aus dem Sinn genommen, man findet nie den passenden Ausdruck, Verliertes im Eindruck wie verloren und verlogen zugleich wie verliehen oder hast du eine unbestreitbare Seele, also so was wie Urvertrauen oder ständig was nach dir verlangt, unter der Haut kriecht und juckt, an dem du verzweifeln könntest, aber weil dein Leben keinen Konjunktiv in dich eingepflanzt hast, brauchst du die Kunst nicht, die dich rettet, für den Moment eine Holzwürmigebrücke baut wie in Ölknitz damals über der Saale, hin und wieder fehlte ein halbes Brett und du konntest dein Auge aufs Wasser fallen lassen, wie wenn überall, also du auch, ein Dialog entsteht, verweht, aus dem Wasser springt, die lasziven Forellen mit ihren entgegengesetzten Augen können sich nicht beäugen …

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Nässen.

Eigentlich bin ich nur der Verlogenschaft entkommen, wollte ich sagen. An den Himmel schauend, fliegen mir Gedanken wie Vogelschiss zu, wie Weltverhältnisse, die in neues Licht, also Abgründe getaucht werden müssten. Die kleine Schar meiner Konjunktive nimmt immer wieder Stellung. Ich vermag im Augenblick keine Ortsbeschreibung, ebenso wenig ein Zeitaufhellen als mir zuhörendes Szenario … will aber schon mal wieder … in den feinen Entbindungskanal eindringen, dich als Schmiervotze beschimpfen und du nässt in dein Aufgehobenseyn.

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barfuss

Seitdem ich mir meines morbus vitalis bewusst geworden bin, sagt Helen, dass ich immer öfter barfuss liefe. Die Angst, mich zu verkühlen und auch diese bis an den Wahnsinn leckende Verkühlungsangst, dazu ein fremder Text wie für mich geschrieben, umstehendes Gebüsch, ein Verzerren des Gemüts, wir sind noch nicht verwüstet. Glaub mir, dein Mund redet mich. Ich hab mich in dich eingezäunt. Innenhorchen. Ein plötzliches Abtrocknen der schweissnassen Bedeutungen. Wie eine neue Liebe. Von vornherein kein Fleisch. Keine Ummündung. Nacktes Schweigen. Alles sprachlos. Dein Kopf in meiner Hand.